Über Wunden

ÜberWundenCelinaKunhardt

Gefangen im Käfig namens Alltag. Kein Platz zum Nachdenken, zu viel zu tun um zu verweilen, keine Zeit um Luft zu holen. Dann trifft es dich mit einem Schlag: Flashbacks in deinem Kopf, verstaubte Erinnerungen klar wie helle Blitze am Himmel, verdrängte Gedanken, die wie heiße Magma eines Vulkans an die Oberfläche sprudeln.Das Epizentrum des Bebens ist dein Herz. Genau dort, wo es am meisten weh tut. Die Narbe der alten Wunde ist noch zu sehen.

Wenn es dann doch plötzlich wieder schmerzt, obwohl du dachtest, es wäre vorbei. Du befindest dich im Krieg. Das ewige Machtspiel zwischen Herz und Verstand. Pochender Drang zur Veränderung gepaart mit Argumenten, die dich zurückhalten. Ein Kampf in dem es keinen Sieger gibt.

Und erbarmungslos schmerzt die Wunde. Sie blutet wieder. Tränen regnen in deine Tage wie der warme Sommerregen. Verklären sie deine Sicht auf die Dinge oder spülen sie die Argumente weg, die du dir so fein säuberlich zurechtgelegt hast? Eingebaut in deinen Überlebens-Käfig, dein Panzer für den Alltag, das Schutzschild gegen Wunden.

Zu viele unausgesprochene Worte, offene Fragen, verletzte Gefühle, Enttäuschungen. Zu viel um es aus seinem Käfig zu lassen. Deshalb drängst du es zurück, bevor die Fassade Risse bekommt. Du sperrst es ganz weit weg, versinkst alles an diesem einen Ort, der nur dir gehört. Dort, wo es dir nicht mehr weh tun kann. Und du denkst, dass du es überwunden hast, weil du es nicht mehr spürst.

Bis zur nächsten Welle.

Foto: Tilo Hensel

  • Veröffentlicht in: Mood

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